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International Kultur pur

Die ganze Welt ist eine Bühne

»Mich fangt’s nimmer ein«, lässt Karl Schönherr seinen Weibsteufel sagen. Eigentlich ein idealer Vorsatz auch zu einem erfüllten Theaterbesuch.

Theatre - August 2017 - 4

© Reinhard Maximilian Werner / Press

Es ist doch nicht das Gegockel der Männer. Ihre gestelzte Prankenhaltung um die zierliche Sektflöte. Das spitzmäulige Nippen, weil die eigene Nase nicht mit der Öffnungsgröße des Glases korrespondiert. Auch nicht die vorbeischwebenden schönen Geschlechter mit ihren Ohrbehängen in Christbaumgröße und den hochgebogenen Scheibenwischerzungen, um dem dicken roten Lippenstift den Zugriff auf die Schneidezähne zu verwehren. Natürlich nicht. Wem gefällt das schon? Über allen Köpfen im Foyer wabern die Lästerschwaden auf der Suche nach Zustimmungsdocks: Kuck, wie affig, sieh, wie protzig, schau, wie eingebildet. Aber – seien wir ehrlich: Das gehört alles dazu. Schon bei der Überlegung des Dresscodes beschäftigt man sich mit dem Abend: Welches Theater besuche ich denn? Welches Stück wird gegeben (um gleich mal ein Theaterwort zu benutzen)? Ein Klassiker? Ist’s dann das Abendkleid? Der Anzug mit Fliege? Oder ein modernes? Dann reicht doch Zetsche-Wear – Jeans mit Hemd und Sakko!

Theatre - August 2017 - 5

© Jörg Michael / Press

Ein Ereignis besteht zu neunzig Prozent aus Vorfreude und zehn Prozent Erinnerung, heißt es. Sind wir also nicht für den Genuss mitverantwortlich? Tun wir was dafür! Der eine verlängert die Vorfreudenzeit durch einen Friseurbesuch. Oder in der Anzugabteilung des örtlichen Schneiders. Vielleicht könnte man auch das Auto noch aussaugen. Und: Geht man vorher in ein gutes Restaurant oder hernach? Eine gute Vorbereitung hilft. So wie des Schauspielers Sprechübung und des Sängers Atemtechnik. Denn im Theater passiert etwas ganz Spannendes: ein Live-Act. Und der evoziert immer Energie, Interaktion zwischen Publikum und Akteur. Denn darum geht es: Hier geschieht alles unmittelbar, filterlos, bloß. Jeder hat die Chance, an der Herstellung eines großen Augenblickes mitzuarbeiten. Im Theater suggeriert einem kein Regisseur durch Schwenks und Schnitte, wie man seine Sympathien zu verteilen hat. Wer im Raum ist, gilt.

 

 

Der amerikanische Dramaturg Robert Brustein fasst das so zusammen: »Ein Theaterbesuch ist eine Gemeinschaftsaktion. Im Kino sitzt man allein.« Aber Gruppenarbeit ist fragil, wie überall, wo Menschen an einem Strang ziehen müssen. Tatsächlich verschmelzen im Idealfall Kunst und Leben auf der Bühne für einen Augenblick zur schönen Illusion. Erstrebenswert? Ja! Selbst Placebos wirken. Kunst vermag zu entführen, zur Flucht verhelfen, ehe drei Stunden später vielleicht wieder alles an seinen Platz gerückt worden ist.

Theatre - August 2017 - 3

© Reinhard Maximilian Werner / Press

Aber für diese Zeit, »da fangt’s Ihr mich nimmer ein«, wie der Weibsteufel seit 1914 sagt. Um was es geht? Ein Schmuggler (hier im »Resi«) fordert von seiner Frau, auf die Balzerei eines Grenzschützers einzugehen, damit er selbst den lästigen Kontrollen entgeht. Was folgt, ist Amour fou, Feuer schüren, brennende Eifersucht. Am Schluss ist einer im Gefängnis, der andere tot, die Frau erbt das Haus. Der eingebildete Kranke von Molière (hier von der »Burg« Wien inszeniert) strampelt wiederum eher im Sumpf des Gesundheitswesens, aber auch da geht es um Geld oder Liebe. Der Placebo-Effekt umgekehrt: Die Krankheitseinbildung kann wirklich zum Gebrechen führen. »Armer Tropf!«, denkt trotzdem einer, der’s zulässt. Also: Beides Klassiker, geschrieben, als die Bretter, die heute die Welt bedeuten, noch nicht mal Bäume waren, aber vielleicht mindestens so aktuell wie mancher Jetztzeitgenosse.

 

Wie formulierte der gute Oscar Wilde: »Ich liebe das Theater. Es ist viel realistischer als das Leben.« Man muss ja nicht unbedingt in jener Vorstellung des unbekannten Kritikers gesessen sein, der bilanzierte: »Allerdings muss zugegeben werden, dass wir das Stück unter besonders ungünstigen Umständen gesehen haben. Der Vorhang war offen.«

 

Die ganze Welt ist eine Bühne

Berlin

STAGE | Schaubühne Berlin

STAY | Vienna House Andel’s Berlin | Vienna House Easy Berlin

 

Krakau

STAGE | Juliusz Slowacki Theatre

STAY | Vienna House Andel’s Cracow | Vienna House Easy Cracow

 

Dresden

STAGE | Staatsschauspiel Dresden

STAY | Vienna House QF Dresden

 

München

STAGE | Residenztheater

STAY | angelo by Vienna House Munich Leuchtenbergring | angelo by Vienna House Munich Westpark

 

Prag

STAGE | Národni Divadlo

STAY | Vienna House Andel’s Prague | angelo by Vienna House Prague | Vienna House Diplomat Prague

 

Wuppertal

STAGE | Wuppertaler Bühnen

STAY | Vienna House Easy Wuppertal

 

Ich bin dein lokaler Gastgeber und freue mich, dir persönlich Insidertipps zu geben.

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